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Was ist Embedded Finance

· Roland Völkel

Illustration eines Nicht-Bank-Produkts mit eingebettetem Zahlungs-Chip als Sinnbild für Embedded Finance

Zusammenfassung

  • Embedded Finance bedeutet, dass ein Unternehmen ohne eigene Lizenz Finanzdienste im eigenen Produkt anbietet: Die Plattform hält Oberfläche und Kundenbeziehung, ein lizenzierter Anbieter trägt Abwicklung und Aufsichtsrecht.
  • Hinter jedem Angebot stehen drei Rollen: Lizenzträger, Infrastruktur-Anbieter mit API und die verteilende Plattform. Banking as a Service beschreibt die Anbieterseite dieses Modells, Embedded Finance das Ergebnis im Produkt.
  • Typische Fälle sind Finanzierung im Checkout, tägliche Auszahlungen auf Marktplätzen, Geschäftskonten und Karten in vertikaler Software sowie Versicherung zum Produkt.
  • Plattformen betten ein, weil sie damit ihre bestehende Nutzerbasis monetarisieren und einen Prozess im eigenen Produkt halten – ohne den regulatorischen Aufwand selbst zu tragen.
  • Embedded Benefits folgen demselben Verteilmodell, nur liegt der regulierte Kern im Lohnsteuerrecht statt im Bankrecht. Deshalb ist der Anbieterkreis ein anderer als bei Zahlungen.

Embedded Finance heißt, dass ein Unternehmen ohne eigene Banklizenz Finanzdienste im eigenen Produkt anbietet: Zahlungen, Kredite, Konten, Karten oder Versicherungen. Lizenz, Abwicklung und aufsichtsrechtliche Verantwortung liegen bei einem spezialisierten Anbieter im Hintergrund. Sichtbar bleibt die Plattform, in der der Kunde ohnehin arbeitet.

Die drei Rollen hinter Embedded Finance

Jedes Embedded-Finance-Angebot verteilt sich auf drei Parteien:

  1. Lizenzträger – eine Bank, ein E-Geld- oder Zahlungsinstitut. Trägt Lizenz, Meldewesen, Geldwäscheprüfung und Haftung.
  2. Infrastruktur-Anbieter – stellt diese Funktionen als API oder SDK bereit, inklusive Sandbox, Dokumentation und Betrieb. Oft ist er mit dem Lizenzträger identisch; dieses Anbietermodell wird Banking as a Service genannt.
  3. Plattform – bettet die Funktionen ein, gestaltet Oberfläche, Preis und Kommunikation und hält die Kundenbeziehung.

Der Reiz für die Plattform: Sie verkauft ein reguliertes Produkt, ohne den Regulierungsaufwand selbst zu tragen. Der Preis: Sie gibt einen Teil der Marge ab und bindet einen Teil ihres Produkts an die Roadmap eines Dritten. Welche Anbieter das Feld im deutschsprachigen Raum heute besetzen, sammelt der Überblick zu Embedded-Finance-Unternehmen.

Wie Embedded Finance im Alltag aussieht

Vier Muster deckt praktisch jeder Anwendungsfall ab:

  • Finanzierung im Checkout. Der Shop zeigt Ratenzahlung an, die Kreditentscheidung und das Ausfallrisiko liegen beim Kreditgeber.
  • Auszahlungen als Produktfunktion. Ein Marktplatz zahlt Fahrer:innen, Händler oder Creator täglich statt monatlich aus; dahinter steht ein Zahlungsinstitut.
  • Konto und Karte in der Fachsoftware. Eine Branchenlösung gibt ihren Kunden ein Geschäftskonto samt Karte direkt in der Anwendung.
  • Versicherung zum Produkt. Die Deckung wird im Buchungs- oder Kaufprozess mitangeboten, nicht separat verkauft.

Gemeinsam ist allen: Das Finanzprodukt ist nicht das Geschäft der Plattform, sondern ein Schritt in einem Prozess, der dort ohnehin schon stattfindet.

Warum Plattformen Finanzdienste einbetten

Drei Gründe, in dieser Reihenfolge:

Umsatz auf der bestehenden Nutzerbasis. Es entsteht eine wiederkehrende Marge je Nutzer, ohne neue Kunden zu gewinnen. Das ist der Grund, warum Embedded Finance meistens aus dem Product- und nicht aus dem Sales-Team kommt.

Bindung. Wer Zahlungen, Auszahlungen oder Vergütung im Produkt abwickelt, ist schwerer zu wechseln als ein Tool, das nur Daten anzeigt. Der Wechselaufwand steigt mit jedem Prozess, der im Produkt liegt.

Kontrolle über den Prozess. Die Plattform behält Oberfläche, Daten und Timing statt an eine fremde Weboberfläche abzugeben.

Die Gegenprobe gehört dazu: Das Modell funktioniert, wenn das eingebettete Produkt an einen Prozess anschließt, der im Produkt ohnehin liegt – Lohn, Ausgaben, Personaldaten. Liegt es bloß als Partnerlink daneben, bringt es wenig Umsatz und viel Aufwand.

Der regulierte Teil bleibt beim Anbieter

Die Regulierung verschwindet in diesem Modell nicht, sie liegt nur bei jemand anderem. In Deutschland fällt die Erbringung von Zahlungsdiensten unter das ZAG und die Aufsicht der BaFin, Kredit- und Einlagengeschäft unter das KWG. Die Plattform gestaltet und verkauft, erbringt den regulierten Dienst aber nicht selbst. Für sie verschiebt sich das Risiko damit von der Aufsicht in den Vertrag: Wer haftet, wenn geprüft wird, entscheidet die Vereinbarung mit dem Anbieter, nicht die technische Integration. Deshalb gehört diese Frage in die Discovery und nicht ins Kleingedruckte.

Wie Embedded Benefits in diese Kategorie passen

Embedded Benefits sind Embedded Finance, angewendet auf Vergütung: Eine Plattform bietet Mitarbeiter-Benefits wie einen Essenszuschuss, Gutscheine oder Mobilität im eigenen Produkt an, während ein Infrastruktur-Anbieter Auszahlung, Belegprüfung und lohnsteuerliche Abwicklung übernimmt. Definition und technisches Modell stehen im Grundlagenartikel Was sind Embedded Benefits, die Abgrenzung im Detail unter Embedded Finance vs. Embedded Benefits.

Kategorie Was eingebettet wird Regulierter Kern Wer ihn trägt Ertrag für die Plattform
Embedded Payments Zahlungen, Auszahlungen, Karten ZAG, PSD2 Zahlungsinstitut, Banking-as-a-Service-Anbieter Anteil an Transaktion und Interchange
Embedded Lending Finanzierung am Point of Sale Kreditrecht, KWG Bank oder Kreditplattform Provision je Abschluss
Embedded Insurance Deckung zum Produkt Versicherungsaufsicht und -vertrieb Versicherer oder Assekuradeur Vermittlungsprovision
Embedded Benefits Benefit-Module in HR- und Lohnprozessen Lohnsteuerrecht, Belegnachweis, Haftung Benefit-Infrastruktur-Anbieter wiederkehrende Marge je Nutzer und Monat

Was bei Benefits anders ist als bei Zahlungen

Der regulierte Kern liegt im Lohnsteuerrecht, nicht im Bankrecht. Das klingt nach einer Fußnote, verschiebt aber den ganzen Anbieterkreis: Ein Banking-as-a-Service-Anbieter kann Geld bewegen, aber keine Belege gegen § 8 EStG prüfen und keine abrechnungsfertigen Lohndaten liefern.

Zwei Beispiele, wie konkret dieser Kern ist:

  • Essenszuschuss (Embedded-Modul „Mahlzeit"): maximal 7,67 € je Arbeitstag, bis 115,05 € im Monat. Für Mitarbeitende netto; die Pauschalsteuer auf den geldwerten Vorteil trägt der Arbeitgeber, nicht der Mitarbeitende.
  • Sachbezug-Gutschein (Embedded-Modul „Gutschein"): bis 50 € pro Monat steuerfrei, aber nur zusätzlich zum Lohn und ohne Übertrag in den Folgemonat. Wird die Grenze überschritten, ist der gesamte Betrag steuerpflichtig.

Ein Berührungspunkt zur Zahlungswelt bleibt: Gutschein- und Kartenlösungen müssen als Instrument mit begrenztem Netz nach § 2 Abs. 1 Nr. 10 ZAG ausgestaltet sein. Genau dort trifft Benefit-Steuerrecht direkt auf Zahlungsregulierung – und genau dort scheitern Eigenbauten, die als reines Guthabenkonto gedacht waren.

Drei Fragen, bevor Sie etwas einbetten

  1. Liegt das Produkt nah an einem Prozess, den Ihre Nutzer bei Ihnen ohnehin abbilden – Lohn, Personaldaten, Ausgaben? Je näher die Daten, desto kleiner der Schritt für Ihre Kunden und desto plausibler die Erweiterung.
  2. Wer trägt die Haftung, wenn eine Prüfung kommt, und steht das schriftlich im Vertrag?
  3. Rechnet sich die Marge je Nutzer gegen Integrations- und Supportaufwand, oder bräuchte es Volumen, das Sie nicht haben?

Hrmony Embedded ist die Benefits-Seite dieses Modells: Benefit-Module über eine API, mit Belegprüfung, Haftungsübernahme beim Essenszuschuss und monatlichen lohnsteuerlichen Reporting-Dateien. Wie die Module und die Integration aussehen, zeigt die Embedded-Landingpage.

Häufig gestellte Fragen